Beim Kauf oder der Restaurierung eines Jaguar E‑Type ist die originale Lackierung oft ein entscheidendes Kriterium — sowohl für den emotionalen Wert als auch für den Wiederverkaufswert. Ich bekomme immer wieder Anfragen: Wo finde ich die originale Lacknummer? Wie erkennt man nachlackierte Flächen verlässlich? In diesem Beitrag teile ich meine Erfahrungen und praktische Prüfmethoden, mit denen du original Lacknummern findest und Nachlackierungen beim E‑Type zuverlässig bewertest.
Wo stehen die originalen Lacknummern beim Jaguar E‑Type?
Die offizielle Lacknummer (sofern noch vorhanden) findet man beim E‑Type an mehreren Stellen. Wichtig ist: Jaguar hat über die Baujahre verschiedene Kennzeichnungen und Stempel verwendet. Ich beginne bei jeder Besichtigung systematisch bei den bekannten Plätzen.
- Typenschild im Motorraum / am Spritzwandbereich (firewall) — häufig auf dem Armaturenbrettrand oder dem Spritzwandblech.
- Auf dem Fahrgestell- oder Karosserie-Identifikationsschild (VIN‑Plakette) — manchmal ist die Farbbezeichnung in alten Unterlagen vermerkt.
- Unter der Haube (auf Innenseiten) und im Kofferraumrand — hier finden sich oft Farbcodes oder handschriftliche Hinweise.
- Serviceheft, Zulassungspapiere oder originale Werkstattrechnungen — sie sind oft die beste Quelle, wenn die Karosserie nachträglich bearbeitet wurde.
Ich rate, alle Stellen mit einer Taschenlampe und Lupe zu prüfen. Bei älteren Fahrzeugen sind Stempel oder Aufkleber oft verblasst oder übermalt — dokumentiere alles mit Fotos, bevor du Reinigungsversuche unternimmst.
Wie liest und entschlüsselt man die Jaguar‑Farbcodes?
Jaguar verwendete Bezeichnungen wie „Opalescent Red“, „Black“, „British Racing Green“ oder Codes (z. B. „BMC“ oder numerische Codes). In vielen Fällen ist die Farbbezeichnung auf dem Werksblatt (Build Sheet) vermerkt. Ich vergleiche gefundene Codes immer mit verlässlichen Referenzen:
- Jaguar Colour Reference Guides (Repositorien älterer Farbkarten)
- Herstellerfarbkarten von Firmen wie PPG, Glasurit oder Sikkens — sie bieten moderne Entsprechungen zu historischen Farbtönen.
- Online-Datenbanken und Foren für Classic‑Jaguar‑Enthusiasten
Wenn nur eine Farbbezeichnung (z. B. „Black“) vorhanden ist, hilft ein Abgleich anhand von originalen Farbmusterchips oder einem professionellen Farbmessgerät (Spectrophotometer), das exakte Rezept zu bestimmen.
Prüfmethoden, um Nachlackierungen zu erkennen
Eine Nachlackierung kann dezent oder grob ausgeführt sein. Mit der richtigen Herangehensweise lässt sie sich oft sicher identifizieren. Ich nutze die folgenden Prüfmethoden in dieser Reihenfolge:
- Sichtprüfung unter verschiedenen Lichtbedingungen: Tageslicht, Kunstlicht und schräges Licht zeigen unterschiedliche Reflektionen und Orangenhaut. Achte auf Farbunterschiede zwischen Haube, Kotflügeln, Türen und Kofferraumdeckel.
- UV‑Licht (Schwarzlicht): Frischer Klarlack fluoresziert oft anders als alter Lack. Unter UV‑Licht fallen Übergänge, Ausbesserungen und Füllerschichten auf.
- Fühltest: Mit der Fingerspitze entlang von Falzen und Kanten — überlappender Lack oder fühlbare Übergänge deuten auf Nacharbeit hin.
- Brechungs- und Glanztest: Unterschiedliche Klarlackdicken verändern den Glanzgrad. Halte ein Blatt Papier in verschiedenen Winkeln an die Oberfläche, um Unterschiede sichtbar zu machen.
- Lackdickenmessgerät (Paint Depth Gauge): Ein unverzichtbares Werkzeug. Ich verwende gelegentlich Modelle von Elcometer oder PosiTector. Messwerte über Trägerflächen geben Hinweise auf Mehrschichten / Spachtel.
- Magnet- oder Hammertest: Bei starkem Verdacht auf Verformungen oder Spachtelarbeit hilft ein leichter Klopftest; ein dumpfer Ton kann auf Spachtel hindeuten. Ein Magnettest ist nützlich bei verbauten Kunststoffspachteln und einigen Metallreparaturen.
- Abschleifen an unauffälliger Stelle (nur bei Einverständnis): Ein kleines „Fleb“ durch vorsichtiges Anschleifen kann belegen, ob mehrere Lackschichten oder Füllerschichten vorhanden sind.
Welche Bereiche beim E‑Type sind besonders anfällig für Nachlackierungen?
Aus Erfahrung sind bestimmte Stellen beim E‑Type besonders oft nachlackiert oder repariert. Ich prüfe diese Bereiche besonders gründlich:
- Unterer Bereich der Türen und Schweller — Korrosionsanfälligkeit führt hier häufig zu Nacharbeiten.
- Radläufe und innerer Kotflügelbereich — Steinschlagreparaturen.
- Motorhaube und Kofferraumdeckel — leicht zu demontierende Teile, die gern beim Lackierer behandelt werden.
- Stoßfängeraufnahmepunkte und Innenkanten — Reparaturen nach kleineren Unfällen.
Praktische Checkliste für Besichtigungen
| Prüfpunkt | Was ich suche |
|---|---|
| Visuelle Inspektion | Farbdifferenzen, Orangenhaut, Tropfenbildung |
| Lackdickenmessung | Unregelmäßige Dicken, hohe Werte (>150–200 µm) |
| UV‑Lampentest | Unterschiedliche Fluoreszenz, Übergänge |
| Fahrgestellnummer/Plaketten | Originalcodes, Abweichungen zu Dokumenten |
| Unterboden/Kofferraum | Frischer Lack, unterschiedliche Korrosionsgrade |
| Fotodokumentation | Vergleich aller Bereiche, Referenzfotos |
Wann ist eine Nachlackierung akzeptabel — und wann nicht?
Für mich ist nicht jede Nachlackierung ein Ausschlusskriterium. Wichtiger ist die Qualität der Arbeit, die Professionalität und ob die Reparatur strukturelle Integrität oder Originalität beeinträchtigt. Ich frage mich immer:
- Wurde fachgerecht demontiert und wieder montiert?
- Sind Karosserieform und Spaltmaße original erhalten?
- Wurden originale Farbrezepte und Lackierverfahren genutzt?
- Gibt es Dokumentation (Rechnungen, Fotos vor/nach)?
Eine fachgerechte Nachlackierung in originaler Farbe und mit entsprechender Dokumentation ist oft besser als schlecht ausgeführte, originale Substanz mit Korrosionsschäden.
Tipps für Farbangleich und Restaurierung
Wenn du eine Restaurierung planst oder Farbe angleichen musst, empfehle ich:
- Original Farbcodes nutzen oder ein Spectrophotometer (z. B. X‑Rite) einsetzen.
- Mit hochwertigen Lacksystemen arbeiten: Glasurit, PPG oder Sikkens bieten gute Alttonmischungen.
- Für Handlackierungen Klares Finish (2K‑Klarlack) verwenden und anschließend polieren lassen.
- Bei patinierten Fahrzeugen überlegen, ob eine behutsame Konservierung statt Vollneulack erhalten werden sollte — Patina kann Wert und Charakter haben.
Empfohlene Werkstätten und Hilfsmittel
Ich arbeite regelmäßig mit spezialisierten Lackierern und Classic‑Jaguar‑Werkstätten zusammen. Gute Partner sind diejenigen, die Erfahrung mit Oldtimern haben und alte Farbrezepte rekonstruieren können. Nützliche Werkzeuge, die sich bewährt haben:
- Lackdickenmessgerät (Elcometer, PosiTector)
- Handliche UV‑Lampe
- Spectrophotometer für Farbvergleich
- Feine Schleifpapiere und Mikrofasertücher zur Dokumentation
Wenn du möchtest, kann ich auf Anfrage Kontakte zu Fachbetrieben nennen, mit denen ich gearbeitet habe, oder dich bei der Bewertung eines konkreten Angebots unterstützen — sende mir Fotos und deine Funde, dann schaue ich mir das an.