Als langjährige Jaguar-Enthusiastin weiß ich: Beim E-Type entscheidet die Originalität der Karosserieteile oft über Freude, Substanz und Wert. Eine Lackdickenmessung ist eines der schnellsten und aussagekräftigsten Werkzeuge, um originale Blechteile von nachlackierten oder gespachtelten Bereichen zu unterscheiden. In diesem Beitrag erkläre ich praxisnah, wie ich messe, welche Geräte ich bevorzuge, welche Fallstricke es gibt und wie man Messergebnisse richtig interpretiert.
Warum Lackdickenmessung beim E‑Type sinnvoll ist
Der E‑Type war in verschiedenen Baujahren mit unterschiedlichen Materialien und Lackaufbauten ausgeliefert. Oft wurden seit der Auslieferung Reparaturen, Nachlackierungen oder Restaurierungen vorgenommen. Eine Lackdickenmessung macht Unterschiede sichtbar, die das Auge allein leicht übersieht:
Unterschiedliche Schichtdicken deuten auf Nachlackierungen oder Spachtel hin.Gleichmäßig dünne Schichten über große Flächen sprechen für Originallack (oder eine sehr sorgfältige Vollrestauration).Starke lokale Erhöhungen an Kanten, Rundungen oder in Radläufen weisen häufig auf Ausbeulen, Füller oder Übergänge hin.Welches Messverfahren und welche Geräte?
Für den Einsatz am Jaguar E‑Type sind zwei Prinzipien relevant:
Magnetische Messgeräte (Feldstärkeverfahren) messen die Lackdicke auf ferritischen (stahlhaltigen) Untergründen.Wirbelstrom-/Wirbelstrom-/Eddy‑Current‑Messgeräte messen auf nicht‑ferromagnetischen Untergründen wie Aluminium.Da der E‑Type je nach Baujahr und Variante sowohl Stahl- als auch Aluminiumteile haben kann, empfehle ich ein Kombigerät oder zwei passende Messgeräte. Gute und bewährte Marken sind Elcometer, Defelsko und PosiTest. Diese Hersteller bieten robuste Handmessgeräte mit Kalibrierzertifikat und optionalem Datenspeicher an.
Vorbereitung: Kalibrierung und Umfeld beachten
Bevor ich messe, gehe ich systematisch vor:
Gerät kalibrieren: Nutze die mitgelieferten Kalibrierfolien oder geprüfte Referenzstücke. Eine Kalibrierung auf blankem Metall (oder der vom Hersteller empfohlenen Prüfung) ist Pflicht.Oberfläche reinigen: Staub, Wachs oder Unterbodenschutz verfälschen das Ergebnis. Ich reinige die Messpunkte mit einem sauberen, weichen Tuch.Temperatur beachten: Sehr kaltes oder heißes Blech kann die Messwerte leicht verändern. Raumtemperatur ist ideal.Mehrere Messungen: Ich messe an jedem Punkt mindestens dreimal und notiere den Mittelwert.Messstrategie: Wo und wie oft messen?
Stichproben reichen nicht. Mein Schema hat sich in der Praxis bewährt:
Erstelle ein Messraster pro Bauteil: Bordwand, Kotflügel, Motorhaube, Türen, Kofferraumdeckel.Messpunkte an Kanten, Blechverläufen, um Schweißnähte, in Radläufen und an Übergangsstellen.Symmetrie prüfen: Vergleiche linke und rechte Seite (z. B. beide Kotflügel) — starke Abweichungen sind verdächtig.Fokus auf kritische Bereiche: Unterkante Türen, hintere Radläufe, Innenseiten der Kotflügel und Türfalze.Wie lese ich Werte richtig? Orientierungstabelle
Die absoluten Werte hängen vom Untergrund (Stahl vs. Aluminium) und vom ursprünglichen Lacksystem ab. Deshalb nutze ich Messergebnisse vergleichend und nicht als isoliertes Urteil. Die folgende Tabelle ist als Orientierung zu verstehen.
| Messwert (µm) | Wahrscheinliche Bedeutung |
| 20–80 | Sehr dünner Lackaufbau; mögliches originales Alter/Lacksystem oder sehr dünn überarbeiteter Anstrich (vorsichtig interpretieren) |
| 80–180 | Typische Werte für originalen oder werkseitig aufgebauten Mehrschichtlack auf Stahl/Aluminium (je nach Epoche) |
| 180–350 | Erhöhte Schichtdicke: deutlicher Hinweis auf Nachlackierungen, Füller oder Übergänge |
| >350 | Stark gespachtelte oder mehrfach nachlackierte Bereiche; hier ist eine weitere Untersuchung (z. B. Lackschliff/Querschliff) sinnvoll |
Wichtig: Diese Zahlen sind Richtwerte. Auf Aluminium können die Werte generell anders ausfallen als auf Stahl. Ein Kombigerät mit Materialwahl oder separate Geräte sind hier sehr nützlich.
Typische Befunde beim E‑Type und ihre Interpretation
Aus meiner Erfahrung zeigen sich beim E‑Type häufig folgende Muster:
Gleichmäßige Werte über große Flächen (z. B. Motorhaube): deuten auf originalen Lack oder eine sehr professionelle Komplettlackierung.Plötzliche lokale Erhöhungen an Kanten oder über Schweißnähten: oft Hinweis auf Spachtelmasse oder "Aufbau" nach Reparatur.Hohe Werte im Radlauf oder hinter der Tür: typische Stellen für Korrosionsreparaturen und anschließendem Spachtel/Unterbodenschutz.Starke Asymmetrie links/rechts: kann auf teilreparierte Bereiche hindeuten – immer genauer untersuchen.Fallstricke und wie ich sie vermeide
Einige Dinge können Messergebnisse täuschen. Darauf achte ich besonders:
Unterbodenschutz und KTL/EP-Primer: können die Messung verfälschen. Prüfe, ob Schichten wie Unterbodenschutz vorhanden sind.Chrom-/Eloxalteile: an Zierteilen misst das Gerät oft nicht korrekt.Mehrlagige lacksysteme: moderne Überholungen nutzen oft Füller + Basislack + Klarlack; daraus resultiert höhere Gesamtdicke, auch bei fachgerechter Restaurierung.Aluminium vs. Stahl: immer das richtige Messprinzip nutzen oder das Gerät auf das Material einstellen.Wenn die Messung verdächtige Werte liefert
Wenn ich erhöhte Werte finde, gehe ich so vor:
Visuelle Prüfung: Suchen nach Schleifspuren, Farbtonunterschieden, feinen Übergangslinien oder Pigmentunterschieden.Magnetentest: Ein einfacher Magnettest hilft bei der Unterscheidung von Stahl und Aluminium und kann beim Auffinden großflächiger Spachtelstellen unterstützen (Spachtel ist nicht magnetisch).Fachliche Bestätigung: Bei Auffälligkeiten empfehle ich eine Lackquerschliffanalyse in der Werkstatt oder ein Gutachten. Ein Querschliff zeigt Schichtaufbau und Füller eindeutig.Praktische Tipps für die Kaufprüfung
Immer mehrere Bereiche messen — ein einziger Messpunkt ist niemals repräsentativ.Dokumentiere die Werte und fotografiere die Messstellen; das hilft bei Vergleichen und Verhandlungen.Bei Unsicherheit: Angebotspauschale für eine professionelle Begutachtung einplanen. Ein Lackgutachten kann teure Überraschungen verhindern.Nutze die Messergebnisse als Verhandlungsargument: Kleine Nachlackierungen sind praxisüblich, großflächige Spachtelarbeiten wirken sich aber deutlich auf den Wert aus.Eine Lackdickenmessung ist kein Allheilmittel, aber für mich eines der unverzichtbaren Werkzeuge bei der Bewertung eines Jaguar E‑Type. In Kombination mit Auge, Tastsinn, Magnettest und im Zweifel einer professionellen Querschliffanalyse erhältst du ein zuverlässiges Bild über Originalität und Substanz.