Korrosion an Achsschenkeln und Traglenkern ist bei vielen Sportwagen ein heimlicher Wertkiller – beim Jaguar F‑Type kann sie nicht nur das Fahrverhalten beeinträchtigen, sondern bei fortgeschrittenem Befall auch sicherheitsrelevante Folgen haben. In diesem Artikel beschreibe ich, wie ich verdeckte Korrosion finde, welche Stellen besonders kritisch sind und wie ich sie fachgerecht behebe oder beurteilen lasse. Ich schreibe aus eigener Erfahrung, basierend auf Werkstattprüfungen und gemeinsamen Checks mit Sachverständigen.

Warum verdeckte Korrosion besonders gefährlich ist

Verdeckte Korrosion zeigt sich häufig an Stellen, die von Schmutz, Salz und Fahrbahnfeuchte geschützt sind – also genau dort, wo sie lange unentdeckt bleiben. Beim F‑Type betrifft das oft Übergänge zwischen Gussteilen und geschweißten Blechen, Hohlräume in Tragarmen und die Aufnahmen an Achsschenkeln. Solange die Rostbildung oberflächlich bleibt, ist meist nur der ästhetische Aspekt betroffen. Tiefergehender Rost kann jedoch Material schwächen, Gewinde schädigen und im schlimmsten Fall zu Rissen oder Brüchen führen.

Wo ich zuerst suche: kritische Stellen am Jaguar F‑Type

Beim Rundgang und der Hebebühneninspektion achte ich immer auf folgende Punkte:

  • Aufnahmen der Radlagergehäuse und Achsschenkel – Risse oder Aufschmelzungen am Übergang zur Karosserie.
  • Traglenker (querlenker) – Befestigungsbohrungen, Kugelgelenkaufnahmen und Rohrverbindungen.
  • Hohlräume innerhalb der Querlenker und Achsbrücken – Feuchtigkeit staut sich hier gern.
  • Schweißnähte und Übergangsbleche – besonders an der Vorderachse und im Bereich der Domaufnahmen.
  • Befestigungspunkte für Stoßdämpfer und Querlenkerbuchsen – durch Belastung entstehen hier Mikrorisse, die korrodieren können.
  • Vorbereitung für die Inspektion

    Für eine aussagekräftige Prüfung benötige ich etwas Werkzeug und Zeit. Diese Dinge lege ich mir vorher bereit:

  • Wagenheber und Unterstellböcke oder eine Hebebühne
  • Taschenlampe mit starkem Licht
  • Endoskop/Kamera für Hohlraumuntersuchungen
  • Drahtbürste, Schleifpad und Drahtbürstenaufsatz für die Bohrmaschine
  • Korrosionsprüfer oder Magnet (um unterschiedliche Materialtypen zu prüfen)
  • Farbe, Rostumwandler (z. B. Fertan), Grundierung, Hohlraumwachs
  • Wichtig: Bei Sicherheitsbedenken oder wenn Tragkomponenten stark durchgerostet erscheinen, rate ich dringend zur Begutachtung durch einen Kfz‑Sachverständigen bevor weitere Fahrten erfolgen.

    Prüfschritte — so gehe ich systematisch vor

    Ich arbeite Schritt für Schritt, um nichts zu übersehen:

  • Erst sichtbare Reinigung: Salz, Dreck und Ölrückstände lassen sich mit einem Hochdruckreiniger (vorsichtig) oder handelsüblichem Entfetter entfernen.
  • Visuelle Prüfung: Ich suche nach abgeblättertem Lack, Rostkonzentrationen, Rissen und Verfärbungen.
  • Abklopfen: Mit einem kleinen Hammer klopfe ich vorsichtig entlang von Übergängen. Ein dumpfer Ton kann auf Hohlräume oder Ablösung hinweisen.
  • Endoskopische Kontrolle: Kleine Öffnungen nutze ich, um das Innere von Hohlräumen zu sondieren. Das Endoskop zeigt Korrosionsherde, die man von außen nicht sieht.
  • Mechanische Entfernung von losen Roststellen: Mit Drahtbürste oder Schleifpad entferne ich die braune Kruste bis auf blankes Metall, um den Schaden zu beurteilen.
  • Prüfen der Wandstärke: Bei sichtbarer Materialreduktion messe ich die Wandstärke mit geeigneten Messgeräten (Ultraschallmessgerät) oder lasse das vom Profi machen.
  • Typische Reparaturszenarien und wie ich sie behandle

    Je nach Befund variiert meine Vorgehensweise:

    1. Oberflächliche Korrosion

  • Reinigung bis auf blankes Metall mit Drahtbürste/Schleifpapier
  • Auftragen von Rostumwandler (z. B. Fertan) bei noch vorhandener Rostfarbe
  • Grundierung (bei Außenbereichen) und zweimalige Lackierung mit passendem Unterbodenschutz
  • Hohlräume mit Dinitrol oder Waxoyl konservieren
  • 2. Korrosion an Befestigungsbohrungen und Gewinden

  • Gewinde ausbohren und ggf. helicoil‑Einsätze setzen, wenn das Gewinde beschädigt ist
  • Neue Schrauben und Muttern aus Edelstahl oder verzinktem Stahl verwenden
  • Bei stark angegriffenen Aufnahmen: Tragarm ersetzen
  • 3. Durchgerostete Traglenker/Achsschenkel

  • Bei Rissen oder erheblicher Materialabnahme empfehle ich Austausch statt Reparatur
  • Originalteile von Jaguar oder hochwertige Aftermarket‑Teile (z. B. Lemförder, Meyle HD) verwenden
  • Nach dem Einbau Hohlräume wieder konservieren und Montagepunkte mit Korrosionsschutz behandeln
  • Was ich beim Austausch beachte

    Wenn ein Austausch nötig ist, achte ich auf folgende Punkte, die oft übersehen werden:

  • Momentanangaben: Schrauben nicht nur nach Gefühl anziehen, sondern mit Drehmomentschlüssel nach Herstellervorgabe.
  • Neue Sicherungsmittel: Schraubensicherungen und Splinte ersetzen, nicht wiederverwenden.
  • Achse einstellen: Nach dem Austausch von Querlenkern immer die Spur/Geometrie überprüfen und einstellen lassen.
  • Bremsleitungen und ABS‑Sensoren: Nicht beschädigen; bei Bedarf Leitungen neu verlegen oder Schutzkappen anbringen.
  • Praktische Tipps zur Vorbeugung

    Vorbeugung ist günstiger als Reparatur. Das mache ich regelmäßig:

  • Hohlraumversiegelung: Nach dem Reinigen und Trocknen alle Hohlräume mit Wachs oder konservierenden Mitteln behandeln.
  • Unterbodenschutz: Eine robuste Schicht schützt vor Steinschlag und Feuchtigkeit.
  • Regelmäßige Reinigung: Besonders im Winter Salz entfernen und nach der Saison gründlich reinigen.
  • Kontrollen nach Unfällen: Schon kleine Deformationen können Korrosionsnester entstehen lassen.
  • Tabelle: Werkstoffe & empfohlene Maßnahmen

    BauteilMaterialtypEmpfohlene Maßnahme
    Traglenker (OEM)Stahl/RohreRost entfernen, Grundieren, Hohlraumwachs; Austausch bei Wandreduzierung
    AchsschenkelGuss/AluminiumRisse prüfen, Oberflächenbehandlung; bei Gussrissen Ersatz
    BefestigungsbohrungenStahlBohrung nacharbeiten, Helicoinsert, Edelstahlschrauben

    Wenn du dir unsicher bist, ob ein Bauteil noch sicher ist, empfehle ich: fotografiere die Stelle, notiere die Fahrleistung und das Alter des Fahrzeugs und vereinbare eine Begutachtung. Viele Werkstätten bieten eine Durchsicht der tragenden Teile an; ein Sachverständiger kann zudem beurteilen, ob eine Reparatur wirtschaftlich sinnvoll ist oder ein Austausch nötig wird.

    Bei Fragen zu speziellen F‑Type Baujahren, Teilenummern oder wenn du möchtest, dass ich bestimmte Fotos bewerte, schick mir gern Bilder und die VIN. Dann schaue ich mir das zusammen mit dir an und gebe konkrete Empfehlungen für dein Fahrzeug.